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Ergebnisse des 2. Workshops Campusbahn

Braunschweig, 02. Juli 2019

 (Foto: Verkehrs-GmbH)
(Foto: Verkehrs-GmbH)

Der zweite Bürger-Workshop zum Projekt Campusbahn/Querum war ursprünglich früher avisiert, aber „Was Sie im ersten Durchgang im November vergangenen Jahres im Eintracht-Stadion an Ideen entwickelt haben, war sehr umfassend“, erklärte Heinz-Georg Leuer in seiner Begrüßung. Der Stadtbaurat freute sich, dass zur Fortsetzungsveranstaltung am 1. Juli in der Aula der Neuen Oberschule mehr als 150 Besucher gekommen waren. Die Herausforderung: eine mögliche Trassenführung zu diskutieren, für die es noch zahlreiche Trassenvarianten gibt und bei dem am Ende das Projekt auch in mehrere Maßnahmen gesplittet werden könnte.

Davor, dass der Diskussionsstoff trotz der intensiven Vorarbeit der Planer noch sehr umfangreich sei, hatte eingangs auch Albrecht Curland gewarnt. Der Projektleiter der Verkehrs-GmbH für den Stadtbahnausbau sprach damit nicht nur neuralgische Punkte wie den möglichen Brückenbau über den landschaftsschutzrechtlich sensiblen Bereich der Auen an Mittelriede und Wabe an. Auch viele Detailfragen seien bereits jetzt mitzubetrachten, ohne dass es bereits zum jetzigen Zeitpunkt dafür abschließende planerische Lösungen gibt.

Bevor die Bürger an insgesamt elf Dialogstationen über die Trassenvarianten diskutierten, stellte Michael Walther von der Stadt kurz den bisherigen Prüfungs- und Bewertungsprozess der Trassenvorschläge nach dem 1. Bürgerworkshop vor, bevor Teilprojektleiter Roland Böttcher und Gesamtprojektleiter Albrecht Curland auf die Gliederung des Projekts in drei verschiedene Untersuchungsräume und die damit verbunden Trassenvarianten eingingen . Untersuchungsraum A betrachtet eine durchgehende Trassenführung von der Hamburger Straße bis zum Neubaugebiet Dibbesdorfer Straße Süd in Querum mit einem notwendigen Brückenbau zur Querung der DB-Gleise und der Flüsse Mittelriede und Wabe. Untersuchungsraum B hingegen fokussiert auf den Bereich von der Hamburger Straße bis zum TU-Campus Nord und Ost. Untersuchungsraum C schließlich beinhaltet die verschiedenen Optionen für eine alternative Erschließung Querums – mit der Möglichkeit, dies auch auf einer Achse von der Berliner Straße aus über die Querumer und Bevenroder Straße tun zu können.

Die grundsätzliche Abwägung im Untersuchungsraum A lautete für die Bürger: Soll für eine Trassenführung nach Querum mit kurzer Fahrtzeit und höherem Fahrgasterschließungspotenzial ein Landschaftsschutzgebiet durchquert werden? Viele Workshop-Teilnehmer betonten die damit verbundenen Vorteile einer solchen Trasse. Mehrheitlich bewerteten die Bürger das Projekt jedoch skeptisch. Denn: Durch den Brückenbau werde der Natur- und Landschaftsraum gestört, so das Argument. Die Brücke würde im Falle einer Realisierung eine Gesamtlänge von rund 260 Metern aufweisen. Bei einer Breite von rund 12 Metern entfielen zwei Drittel auf den Schienenbereich, der übrige Bereich auf den begleitenden Fuß- und Radweg. Das Ergebnis der Diskussionen: Wenn überhaupt eine Trasse mit Brücke gebaut werden soll, dann am ehesten jene in der Variante A-1. Zwar ist die Strecke hier etwas länger als bei der Ursprungsvariante A-3 und es würden Flächen von einem Kleingartenverein benötigt, doch die Eingriffe in den Landschaftsraum seien hier auch dank der Nutzung eines bereits heute vorhandenen alten Bahndammes am geringsten, so die Meinung vieler Bürger.

Im Untersuchungsraum B ließ sich am Ende eine leichte Tendenz der Diskussionsteilnehmer für die Variante B-1 ablesen. Hierbei wird die Trasse über die Beethovenstraße an die bestehende Wendeschleife in der Ottenroder Straße angebunden. Die netzbildende Wirkung und eine geringere Störanfälligkeit überzeugte die Bürger besonders. Hingegen kritisierten die Teilnehmer an Variante B-2, dass diese den bereits verkehrlich belasteten Bienroder Weg nutze und zudem nicht das gesamte Campusgelände der TU Braunschweig optimal anbinde.

Ein großer Teil der Bürger kam jedoch aus Querum und war dementsprechend besonders an der möglichen Trassenführung in ihrem Stadtteil interessiert. Die Problematik einer Anbindung von der Berliner Straße aus wurde den meisten während der Arbeit in den Gruppen schnell bewusst: Bei jeder der Varianten werden bestimmte Bereiche des Stadtteils nicht optimal erschlossen. Auch eine kombinierte Anbindung der beiden Neubaugebiete Holzmoor- Nord und Dibbesdorfer Straße Süd ist nur über eine Erschließung mittels einer durchgehenden Trasse mit Brückenlösung möglich. Am Ende favorisierten die Bürger zwei Varianten: C-1 wegen seiner großen Erschließungswirkung im Bereich des neuen Baugebiets Holzmoor-Nord und C-3 mit der Anbindung des Gebiets Dibbesdorfer Straße Süd und der Option auf eine zukünftige Netzerweiterung Richtung Osten.

„Für Sie war das heute einer der schwersten Workshops überhaupt“, fasste Klaus Benscheidt abschließend den Verlauf der dreistündigen Veranstaltung zusammen. Auf die Mitarbeiter von Stadt und Verkehrs-GmbH warte jetzt abermals eine Menge Arbeit, um auch die Ergebnisse dieses zweiten Workshops auszuwerten. „Das wird ein wahrer Kraftakt“, meinte der Leiter des städtischen Fachbereichs Tiefbau und Verkehr. Ob der dritte Workshop wie geplant im Herbst stattfinden könne, bleibe abzuwarten. Zudem, so Benscheidt, sei es denkbar, dass es angesichts der inhaltlichen Fülle noch einen vierten Bürgerworkshop zum Projekt Campusbahn/Querum gebe.

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